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Staat und Sprache

Die Tschechen im Ausland

Die Emigration (aus dem Lat. ex-migrare, aus-wandern) ist das Verlassen des Herkunftslandes und die Übersiedlung in ein anderes Land. In ähnlicher Weise bedeutet die Immigration die Einwanderung, was dasselbe ist, jedoch aus der Perspektive des Ziellandes.

Die Gründe, warum sich die Menschen entscheiden, ihr Land zu verlassen und ein neues Leben in einem anderen Land zu beginnen, können unterschiedlich sein. Aus einer historischen Perspektive unterscheiden wir zum Beispiel zwischen den religiösen Gründen (typisch nach dem Ständeaufstand im Jahre 1620 und nach der Einführung der Erneuerten Landesordnung im Jahr 1627, als 150 000 bis 200 000 tschechische Protestanten das Land verließen), den wirtschaftlichen (Auswanderung "zum Besseren" fand vor allem im 19. Jahrhundert in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts statt, vor allem während der Weltwirtschaftskrise bis zum Jahr 1938) und den politischen (vor allem während des Zweiten Weltkrieges und der Zeit des kommunistischen Regimes, wo zum Beispiel in den Jahren 1948 bis 1987 170.938 Einwohner ins Ausland geflohen sind).

Es ist offensichtlich, dass die Entscheidung zur Auswanderung somit entweder freiwillig (Wirtschaftsmigration) oder unfreiwillig sein kann, wo die Migranten ihr Land nicht aus eigenen Willen verlassen, sondern unter der Bedrohung der Verfolgung (religiöse oder politische Migration).

Als Folge der Emigration lebt im Ausland eine große Gruppe von Menschen, die wir Landsleute nennen. Ein Landsmann ist ein Mensch tschechischer (oder slowakischen) Herkunft, der zu der zweiten und der nachfolgenden Generation von Einwanderern gehört, er ist in einem Transit- oder Zielauswanderungsland geboren. Während die Zahl der Landsleute im Ausland relativ hoch ist, erreicht sie aber bei weiten nicht das Niveau zum Beispiel Irlands (im Ausland leben mehr Menschen irischer Abstammung als auf dem Territorium von Irland) - nach Angaben des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der Tschechischen Republik leben rund 1,7 Millionen Landsleute im Ausland.

Die größte Anzahl der Landleute lebt in den USA (ca. 1,3 Mio.), die somit die beliebteste Destination der tschechischen Emigration bedeuten, sowohl der wirtschaftlichen (19. Jahrhundert - 1938) als auch politischen (1938-1989). Die zweitgrößte Gruppe von Landsleuten - ganz wie erwartet - lebt in der Slowakei, die bis zum Jahr 1993 ein Teil desselben Staates wie die böhmischen Länder war. Die Anzahl der tschechischen Landsleute in der Slowakei ist überraschend niedrig - nur 59 000. Auf dem dritten Platz liegt Deutschland, wo etwa 50.000 Landsleute leben (Deutschland war das Ziel der Auswanderung fast ausschließlich in der Nachkriegszeit). Gefolgt von Kanada (46.000), Australien (20.000), Österreich (20.000), der Schweiz (20.000) und weiteren sinken die Zahlen deutlich (Zimbabwe, 100).

Über die Geschichte der Landsleute in verschiedenen Ländern können detaillierte und oft faszinierende Informationen über Ministerstva zahraničních věcí gefunden werden.

Weltweit fungieren einige Tausend von Landsmannorganisationen, die Personen tschechischer Herkunft, im Ausland lebend, vereint, und die sich zu den tschechischen Wurzeln bekennen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine solche Organisation in Ihrem Land tätig ist, wie Sie unter folgendem Link überprüfen können: hier.

Mit dieser Problematik können Sie sich besser vertraut machen durch die Publikation von Jaroslav Vaculik "Tschechische Minderheiten in Europa und weltweit", die 2009 im Verlag Libri erschienen ist.

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