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Staat und Sprache

Das Tschechische als Volkssprache und seine Verbreitung

Das Tschechische als Volkssprache hat verschiedene Formen (Varietäten), die sich in den Sprachmitteln, in den Kommunikationssituationen, in denen sie verwendet werden, oder regional oder sozial unterscheiden.

  • Nach der vorherrschenden Art der Kommunikation unterscheidet das Tschechische mluvenou und psanou.

    In der gebräuchlichen gesprochenen Kommunikation ist es auf den meisten Gebieten üblich, die Formen zu verwenden, die in der Schriftsprache fast nicht vorhanden sind (lidma, bysme, mladej, vokno, furt usw). Umgekehrt wäre es ungewöhnlich, in der primär gesprochenen Sprache jene Formen zu verwenden, die hauptsächlich im Schrifttschechischen erscheinen und im gesprochenen Tschechischen sehr selten sind (titíž, nýbrž, jenž u.ä.).

    Standardní čeština beinhaltet die Sprachmittel, die in einem bestimmten Texttyp in einer bestimmten Kommunikationssituation überwiegen.

    Spisovná čeština ist die Prestigevariante der tschechischen Sprache. Dieser Begriff wird für die Form der tschechischen Sprache verwendet, die in der öffentlichen Kommunikation (meist schriftlich) offiziellen Charakters gebraucht wird. Das Schrifttschechische ist kodifiziert (erfasst und standardisiert) nach den Regeln der tschechischen Rechtschreibung und Wörterbüchern (das Wörterbuch der tschechischen Schriftsprache für Schulen und die Öffentlichkeit, das Wörterbuch des Schrifttschechischen, Das neue akademische Fremdwörterbuch u.a.). Mit der Kodifizierung beschäftigt sich Das Institut für die tschechische Sprache der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik.

  • Nach der Region, wo die gegebene Form verwendet wird, unterscheiden wir im Tschechischen regionálně omezené útvary (Dialekte, Unterdialekte) und landesweit verständliche und verwendete Formen.

    Überdialekte (Interdialekte)

    Die Interdialekte entstehen durch die schrittweise Annäherung der einzelnen Dialekte, sowie durch das Vordringen von Elementen des Schrifttschechischen in die traditionellen Dialekte.

    Das Umgangstschechische ist eine Form des Tschechischen, die in der informellen gesprochenen Kommunikation verwendet wird. Es handelt sich um einen Interdialekt, der vor allem in Böhmen und Westmähren verwendet wird. Er wird auch von einem großen Teil der Auslandstschechen verwendet. Das Umgangstschechische entstand durch die natürliche Entwicklung ohne direkte Eingriffe der Linguisten (zum Unterschied zum Schrifttschechischen).

    Beispiele:

    Das Schrifttschechische: být, otevřít okno, řekl, jablko, osm

    Das Umgangstschechische: bejt, votevřít vokno, řek, japko, vosum

    Die Dialekte

    Das Tschechische hat viele Dialekte, die untereinander meist verständlich sind. Durch den Einfluss der Medien und des Umgangstschechischen (siehe unten) werden die Unterschiede zwischen ihnen verwischt.

    Die traditionellen tschechischen Dialekte sind territorialen Charakters und werden überwiegend durch die mündliche Tradition weitergegeben.

    Sie werden in 4 Gruppen aufgeteilt:

    1. Die tschechische Dialektgruppe (mit dem Umgangstschechischen als Interdialekt)
    2. Die mittelmährische Dialektgruppe (hanakische)
    3. Die ostmährische Dialektgruppe (mährisch-slowakische)
    4. Schlesische Dialekte (lachische)

    Beispiele:

    Das Schrifttschechische: Dej mouku ze mlýna na vozík.

    1. Dej mouku ze mlejna na vozejk.
    2. Dé móku ze mléna na vozék.
    3. Daj múku ze mlýna na vozík.
    4. Daj muku ze młyna na vozik.
  • Je nach Situation, in welcher die gegebene Form verwendet wird, unterscheiden wir im Tschechischen einige verschiedene Varietäten - sociolektů (soziale Dialekte).

    Soziolekte sind nichtschriftsprachliche Gebilde einer Sprache, die für eine bestimmte Interessen- oder Berufsgruppe der Benutzer charakteristisch sind. Von dem Schrifttschechischen unterscheiden sie sich vor allem im Bereich des Wortschatzes.

    Im Rahmen der Soziolekte können wir 3 Gruppen unterscheiden:

    1. Berufssprache - nichtschriftsprachliche Fachausdrücke, die für bestimmte Berufe charakteristisch sind (z.B. mluva horníků, železničářů, zdravotníků)
    2. Der Slang - die Sprache der Angehörigen einer bestimmten Interessengruppe (z.B. mluva trampů, studentů, hudebníků)
    3. Der Argot - stammt aus der kriminalisierten Umgebung, der Zweck ist die Unverständlichkeit für nichteingeweihte Personen (z.B. mluva světských, vězeňský a kriminální slang)

    Beispiele:

    1. fiřt (die Decke), glajze (die Gleise), jipka (die Intensivstation), dezina (die Desinfektion)
    2. usárna (der amerikanische Militärtornister), medina (die Medizinische Fakultät), zápich (die Anrechnung), škopky (das Schlagzeug)
    3. vybílit káču (den Tresor ausrauben), krochna (die Pistole), fízl / švestka (der Polizist)

Nützliche Hinweise:

  • Die Karte der tschechischen Dialekte auf den Seiten des Institutes für die tschechische Sprache der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik - www.ujc.cas.cz
  • Den Stand der tschechischen Dialekte in den 60er- und 70er-Jahren des 20. Jahrhundert erfasst der sechsteilige Tschechische Sprachatlas, dessen letzter Band mit Audioaufnahmen ergänzt ist. Der Atlas ist online verfügbar auf http://cja.ujc.cas.cz/cja.html.

Die Auswahlliteratur:

  • HAUSENBLAS, Karel – KUCHAŘ, Jaroslav a kol. Čeština za školou. Praha, Orbis, 1974.
  • ČMEJRKOVÁ, Světla – DANEŠ, František – KRAUS, Jan – SVOBODOVÁ, Ivana. Čeština, jak ji znáte i neznáte. Praha, Academia, 1996.
  • HUBÁČEK, Jaroslav. O českých slanzích. Ostrava, Profil, 1981.
  • HUBÁČEK, Jaroslav. Malý slovník českých slangů. Ostrava, Profil, 1988.
  • CHLOUPEK, Jan. Knížka o češtině. Praha, Odeon, 1974.
  • OUŘEDNÍK, Patrik. Šmírbuch jazyka českého. Praha, Ivo Železný, 1992. Slovník výrazů z oblasti argotu, slangu a „nekonvenční češtiny“ z let 1945 až 1989.
  • SGALL, Petr – HRONEK, Jiří. Čeština bez příkras. Jinočany, H+H, 1992.
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