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Staat und Sprache

Die Geschichte des Tschechischen

Das Tschechische ist eine slawische Sprache, und als solche hat sie sich am Ende des ersten Jahrtausends aus der alten slawischen Sprache, genannt Urslawisch/Protoslawisch, entwickelt. Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits auf dem tschechischen Gebiet das Schrifttum dank den Glaubensaposteln Kyrill (Konstantin) und Method, die im Jahr 863 auf ihrer Mission die Schrift in das Großmährische Reich (Glagolitische Schrift) gebracht haben und die eine Reihe von christlichen Texten in das Altkirchenslawische übersetzt haben. Das Altkirchenslawische basierte wahrscheinlich auf dem südslawischen Dialekt (Kyrill und Method kamen in das Großmährische Reich aus Thessaloniki), während das Urtschechische der westliche Dialekt der urslawischen Sprache war. Zu diesem Zeitpunkt jedoch waren die slawischen Sprachen (resp. urslawische Dialekte) noch gegenseitig verständlich. Das Altkirchenslawische wird bis heute unter der Bezeichnung "das kirchliche Slawische" noch verwendet, aber nur als liturgische Sprache der orthodoxen und griechisch-katholischen Kirche. Die Verwendung des Altkirchenslawischen auf dem tschechischen Hoheitsgebiet dauerte nur bis 1097, als durch die Entscheidung von Fürst Břetislav II. die slawischen Mönche aus dem Kloster Sasau vertrieben wurden. Seitdem wurde als Kirchen- und Literatursprache das Lateinische zusammen mit der lateinischen Schrift verwendet.

Bildung und Literatur in dieser Zeit haben sich nur auf eine kleine Gruppe von Menschen, vor allem Geistliche, beschränkt. Das erste auf Tschechisch geschriebene Denkmal sind zwei Sätze aus der Gründungsurkunde des Leitmeritzer Kapitels aus dem Jahr 1057, die aber wahrscheinlich jünger sind, man vermutet aus dem 12. Jahrhundert. Sie lauten: Pavel dal jest Ploškovicích zemu. Vlach dal jest Dolas zemu Bogu i svjatemu Scepanu se dvema dušníkoma Bogucos a Sedlatu.. Weiter sind spöttische Anmerkungen aus dem Chorbuch von St. Georg (St. Georgs - Anmerkungen) aus dem Ende des 13. Jhdt. erhalten. Diese Texte wurden mit der s.g. primitiven Rechtschreibung geschrieben, die die lateinische Schrift für die Aufzeichnung jener Laute verwendet hat, die es im Lateinischen bis dahin nicht gegeben hat.

Im 14. Jahrhundert beginnt sich das Tschechische sowohl in der Literatur als auch in dem amtlichen Verkehr durchzusetzen. Aus dieser Zeit sind die tschechisch geschriebenen Bücher aufbewahrt. Karl IV. ließ die erste Übersetzung der Bibel ins Tschechische erstellen. Man beginnt die Ligaturorthographie zu verwenden. Im Umbruch des 14. auf das 15. Jahrhundert unterstützt Jan Hus die tschechische Rechtschreibreform, die in das Tschechische die diakritischen Zeichen eingeführt hat.

Zu einer wesentlichen Entwicklung der tschechisch geschriebenen Literatur kam es nach der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert. Die Bibel wurde neu übersetzt (die s.g. Kralitzer Bibel - es geht um die erste Übersetzung der Bibel in das Tschechische, die nicht aus dem Lateinischen angefertigt wurde, sondern aus den Originalsprachen).

Nach der Niederlage des Ständeaufstands im Jahr 1620 kam es zu einem allmählichen Rückgang der tschechisch geschriebenen Literatur, vor allem in Folge der Abwanderung der tschechischen nicht-katholischen Intelligenz (Jan Amos Comenius, Pavel Stránský und andere). Doch selbst in dieser Zeit erschien Literatur auf Tschechisch, die jedoch einer strengen Zensur unterlag. In den Jahren 1627 und 1628 wurde durch die Erneuerte Landesordnung das Deutsche als zweite Amtssprache in Böhmen und Mähren eingeführt. In der Praxis wurde so im Laufe der Zeit vor allem das Deutsche eingesetzt. Die Bemühungen um die Einführung des Deutschen als Amtssprache in allen Ländern der Habsburgermonarchie treten im 18. Jahrhundert (Marie Theresia, Joseph II.) in Erscheinung. Diese Bemühungen erwiesen sich jedoch als unrealistisch. Die Aufhebung der Leibeigenschaft ermöglichte zudem im späten 18. Jahrhundert die Entstehung einer Bewegung, als nationale Wiedergeburt bekannt.

Die nationale Wiedergeburt stellt eine Epoche dar, in deren Verlauf es zu einer wesentlichen Restaurierung der tschechische Sprache sowohl als Literatursprache als auch als Amtssprache kam. Ein wichtiger Meilenstein war die Veröffentlichung der Grammatik der tschechischen Sprache, geschaffen von Josef Dobrovský (die Ironie der Geschichte ist, dass die Grammatik auf Deutsch geschrieben wurde). Weitere Bemühungen sind mit dem Namen Josef Jungmann verbunden, der eine Gruppe der Wiedergeburtsbewegung führte, dank deren Bemühungen ein fünfteiliges Tschechisch-Deutsch-Wörterbuch entstand. Sowohl die moderne Literatur (z.B. die Werke von Karel Hynek Mácha, im Geiste der Romantik) als auch die Publizistik entwickelten sich. Es wurde ebenfalls die Reform der Schriftsprache basierend auf der Kralitzer Bibel durchgeführt und die Gestalt des damaligen Tschechischen entspricht mehr oder weniger der heutigen tschechischen Sprache.

Die Mitarbeiter von Dobrovský halfen aufgrund ihrer Spezialisierung die tschechische Sprache insofern zu erneuern, dass es möglich war, auf Tschechisch die modernen wissenschaftlichen und philosophischen Kenntnisse zum Ausdruck zu bringen. Dies war vor allem dank der Schaffung von tschechischer Fachterminologie möglich, die bis dahin praktisch nicht existent war. Stellvertretend für alle soll die Arbeit der Brüder Jan Svatopluk und Karl Bořiwog Presl erwähnt werden. Der erste von ihnen hat sich vor allem der Mineralogie, Chemie, Zoologie und Botanik gewidmet. Viele von seinen Bezeichnungen sind noch lebendig und werden verwendet, zum Beispiel kopretina, kukuřice, tuleň, vorvaň, myš domácí oder klokan. Die Tschechen sind zusammen mit den Kroaten, die das Wort von Presl übernommen haben, angeblich das einzige Volk der Welt, das den Namen für Känguru nicht von gangurru aus der Sprache Guugu Yimithirr übernommen hat.

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