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Gesundheitssystem

Öffentliche Krankenversicherung

Das System der öffentlichen Krankenversicherung in der Tschechischen Republik basiert auf drei Subjekten:

  • Versicherter (Empfänger von Gesundheitsleistungen)
  • Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen (er ist berechtigt, Gesundheitsdienstleistungen zu gewährleisten)
  • Krankenversicherung (Institution, bei welcher der Versicherte krankenversichert ist)

Arten der Gesundheitsfürsorge

Ambulante Fürsorge

Bei der ambulanten Fürsorge handelt es sich um eine Art der Pflege, bei welcher die Einweisung des Patienten in ein Krankenhaus oder eine andere Gesundheitseinrichtung nicht notwendig ist. Sie gewährleistet eine eintägige Pflege und wird von Ärzten der primären Pflege oder von Fachspezialisten sichergestellt. Im Krankheitsfall wendet sich der Patient in der Regel zuerst an Ärzte der primären Pflege, d. h. an praktische Ärzte für Erwachsene, für Kinder und Heranwachsende, Zahnärzte und Gynäkologen, bei welchen er sich zuerst registrieren lassen muss.

Der Arzt kann den Patienten ablehnen, wenn

  • dessen Annahme für den Arzt eine solche Arbeitsbelastung bedeuten würde, dass eine zufriedenstellende Pflege dieses Patienten oder anderer Patienten, die sich bereits in seiner Behandlung befinden, unmöglich würde;
  • die örtliche Entfernung des Patienten in einem Notfall einen Hausbesuch verunmöglichen würde;
  • der Patient keiner Krankenkasse angehört. Dies gilt jedoch nicht für Versicherte aus anderen Staaten der Europäischen Union, des europäischen Wirtschaftsraumes, der Schweizer Konföderation oder aus Staaten, mit denen die Tschechische Republik einen Vertrag über Sozialversicherung abgeschlossen hat, der Ansprüche auf Gesundheitsfürsorge enthält.

Im Falle einer Ablehnung hat der Versicherte das Recht, sich die Ablehnung vom Arzt schriftlich bestätigen zu lassen. Im Falle einer notwendigen, unaufschiebbaren Behandlung, d. h. einer Verletzung oder einer akuten plötzlichen Krankheit, darf der Arzt die Untersuchung nicht verweigern. Hernach überstellt er den Patienten jedoch dessen behandelndem Arzt. Ein Facharzt kann vom Patienten ohne Überweisung des Arztes der primären Pflege aufgesucht werden. Ambulante Pflege wird gewährleistet als:

  • primäre ambulante Pflege: Gewährleistung präventiver, diagnostischer, behandelnder und begutachtender Pflege und Konsultation, weiter Koordination und Anknüpfung gewährleisteter Gesundheitsdienste durch andere Gesundheitsanbieter. Bestandteil sind stets auch Besuchsdienste.
  • spezialisierte ambulante Pflege wird gewährleistet im Rahmen einzelner Fachgebiete der Gesundheitspflege.
  • stationäre Pflege: Gewährleistung von Gesundheitspflege für Patienten, deren Gesundheitszustand wiederholte tägliche ambulante Pflege erfordert.

Bettenpflege

Sofern es der Charakter der Krankheit erfordert, empfiehlt der Arzt der primären Pflege oder der ambulante Spezialist dem Patienten eine Behandlung in einer Betteneinrichtung oder ordnet selbst die Aufnahme an. In Gesundheitseinrichtungen gibt es folgende Arten der Bettenpflege: akute Standard- und Intensivpflege sowie anschließende und Langzeitpflege.

Das Gesetz über die Gesundheitsdienstleistungen definiert die Bettenpflege als Gesundheitspflege, die nicht ambulant gewährt werden kann und für deren Gewährleistung eine Hospitalisierung unerlässlich ist. Bettenpflege muss im Rahmen eines ununterbrochenen Betriebs gewährleistet werden.

Bettenpflege wird in folgenden Formen gewährleistet:

  • Eine akute Standardbettenpflege wird gewährleistet
    • Patienten mit einer plötzlich aufgetretenen Erkrankung oder einer Verschlechterung einer chronischen Krankheit, die dessen Gesundheit ernsthaft bedrohen, aber nicht unbedingt zu einem Versagen der Lebensfunktionen führen, oder
    • zum Zwecke der Durchführung von Gesundheitsleistungen, die sich ambulant nicht machen lassen,
    • zum Zwecke einer rechtzeitigen Rehabilitationsmaßnahme.
  • Eine akute Intensivpflege wird dem Patienten gewährleistet im Falle eines plötzlichen Versagens oder einer plötzlichen Gefährdung der Grundlebensfunktionen oder in Fällen, wenn sich solche Zustände voraussehen lassen.
  • Eine anschließende Bettenpflege wird Patienten gewährleistet, bei denen eine Grunddiagnose gestellt wurde und es zu einer Stabilisierung ihres Gesundheitszustands, zur Begrenzung einer plötzlichen Krankheit oder einer plötzlichen Verschlechterung einer chronischen Krankheit gekommen ist und deren Gesundheitszustand eine Nachbehandlung oder eine Rehabilitationsmaßnahme erfordert. Außerdem kommt sie Patienten zugute, die ganz oder teilweise auf Unterstützung der Grundlebensfunktionen angewiesen sind.
  • Eine Langzeitbettenpflege ist dann nötig, wenn der Gesundheitszustand des Patienten sich durch die Behandlung nicht wesentlich verbessert und sich ohne systematische Pflege verschlimmern würde. Außerdem ist sie bei Patienten mit einer Störung der primären Lebensfunktionen notwendig.

Gesundheitsrettungsdienst und Bereitschaftsdienst

Der Rettungsdienst wird im Falle von plötzlich auftretenden Erkrankungen oder Verletzungen in Anspruch genommen, wobei sich der Patient nicht selbst zum Arzt begeben kann und schnelle Hilfe am Unfallort und ggf. Transport in eine Gesundheitseinrichtung angesagt ist, damit es zu keiner Verschlechterung oder gar einer Lebensbedrohung kommt.

Kostenlose Notrufnummern:

  • 155 – nationale Notrufnummer zur Behandlung gesundheitlicher Probleme
  • 122 – einheitliche europäische Notrufnummer zum Herbeirufen von Hilfe zu Ereignissen mit einer größeren Anzahl von Versehrten und zur Aktivierung des integrativen Rettungssystems (Polizei, Gesundheitsrettungsdienst und Feuerwehr)

Bezahlte Rettungsdienste stehen auch bei weniger ernsten plötzlichen Erkrankungen, z. B. bei Zahnerkrankungen oder Unfällen, außerhalb der Ordinationszeiten oder bei Abwesenheit des behandelnden Arztes zur Verfügung, und das in Abhängigkeit von den örtlichen Verhältnissen. Entweder vertreten die Ärzte sich gegenseitig oder es werden Bereitschaftsdienste in besonderen Bereitschaftspraxen organisiert.

Die aufgeführten Bereitschaftsdienste werden gewöhnlich auch von Gesundheitseinrichtungen mit Bettenpflege (Krankenhäusern) sichergestellt.

Informationen stehen in den zuständigen Gesundheitsreferaten beim Bezirksamt (krajský úřad) oder bei Vermittlung der Gesundheitsrettungsdienste zur Verfügung.

Arbeitsmedizinische Dienste

Es gibt präventive Gesundheitsdienstleistungen, im Rahmen derer der Einfluss von Arbeitstätigkeiten, des Arbeitsmilieus und der Arbeitsbedingungen auf Gesundheit bewertet wird. Es werden präventive Untersuchungen und Bewertungen des Gesundheitszustands durchgeführt. Der Zweck besteht darin, die gesundheitliche Eignung für die Arbeit zu beurteilen, Beratungen zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit und zum Schutz vor Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und mit der Arbeit zusammenhängenden Krankheiten durchzuführen. Ferner geht es darum, Schulungen in Erster Hilfe und regelmäßige Kontrolle von Arbeitsplätzen und von Arbeits- und Dienstleistungen sicherzustellen. Diese Dienste werden vom Arbeitgeber bezahlt.

Systematische Pflege

Sinn und Zweck ist eine aktive und langfristige Beobachtung des Gesundheitszustands des gefährdeten oder an einer Krankheit bzw. einer Verschlechterung leidenden Patienten, bei welchem man nach der Krankheitsentwicklung keine baldige Veränderung des Gesundheitszustands erwarten kann. Eine rechtzeitige Feststellung kann die weitere Behandlung und den Krankheitsverlauf grundlegend beeinflussen.

Rehabilitation im Kurbetrieb

Manchmal ist eine solche untrennbarer Bestandteil des Heilungsprozesses. Sie wird vom behandelnden Arzt empfohlen und vom Revisionsarzt bestätigt. Den Antrag auf eine solche Behandlung stellt der registrierende praktische Arzt oder der behandelnde Arzt bei der Hospitalisierung.

Bereitstellung von Heilpräparaten und Gesundheitsmitteln

In der Tschechischen Republik gibt es ein umfangreiches Netz der Medikamentenversorgung (Apotheken), welches die Distribution von Arzneien, Heilpräparaten und Gesundheitsmitteln sicherstellt, sowohl auf Grundlage ärztlicher Rezepte als auch ohne solche, d. h. im freien Verkauf.

Gültigkeit ärztlicher Rezepte:

  • 1 Tag nach Ausstellung für ein von einem Bereitschaftsdienst ausgestellten Rezept,
  • 5 Tage für ein Rezept für Antibiotika und antimikrobiellen Chemotherapeutika,
  • 14 Tage für alle übrigen Rezepte, sofern es der ausstellende Arzt nicht anders bestimmt.

Präventive Pflege

Der Arzt der primären Pflege führt präventive Untersuchungen und Impfungen gegen Infektionskrankheiten durch.

Gesundheitspflege, die durch die öffentliche Krankenversicherung gedeckt wird

Auf dem Gebiet der Tschechischen Republik werden die Gesundheitsdienstleistungen vorwiegend auf Grundlage einer Pflichtkrankenversicherung sichergestellt. Im Falle eines Angestelltenverhältnisses führt der Arbeitgeber 13,5 % der Bemessungsgrundlage ab. Davon entfällt ein Drittel auf den Angestellten und zwei Drittel auf den Arbeitgeber. In einigen Fällen bezahlt der Staat diese Versicherung, z. B. für nicht ausreichend versorgte Kinder, Rentner usw. Ausländer gehören der öffentlichen Krankenversicherung an, sofern sie einen Daueraufenthaltstitel in der Tschechischen Republik haben. Sofern sie keinen Daueraufenthaltstitel in der Tschechischen Republik vorweisen können, dann gilt es, wenn sie bei einem Arbeitgeber mit Daueraufenthaltstitel angestellt sind bzw. sich dessen Firma in der Tschechischen Republik befindet. Ihnen stehen die gleichen Ansprüche auf Gewährleistung von durch die öffentliche Krankenversicherung gedeckten Gesundheitsdienstleistungen (weiter „gedeckte Gesundheitsdienstleistungen“) zu wie allen anderen Versicherten.

Dabei handelt es sich um folgende Dienstleistungen:

  1. präventive, systematische, diagnostische, heilende Pflege, Rehabilitation, Rehabilitation im Kurbetrieb, Gutachterpflege, behandelnde Pflege, Palliativpflege (Pflege von Sterbenden, welche einen adäquaten Zustand erhalten, die Patienten nicht belasten und ihnen ein würdiges Dasein bis zum Ende sicherstellen soll) sowie Gesundheitspflege für Blut-, Gewebe,- Zell- oder Organspender, welche mit der Entnahme zusammenhängt. All diese Pflegeleistungen sollen in allen Formen nach dem Gesetz über Gesundheitsdienstleistungen gewährt werden.
  2. Bereitstellung von Heilpräparaten, heilsamen Lebensmitteln für besondere medizinische Zwecke, von Gesundheitsmitteln und stomatologischen Produkten.
  3. Transport von Versicherten und Übernahme der Reisekosten.
  4. Blutabnahme und Gewebe-, Zell- und Organentnahme für Transplantationen und der sichere Umgang damit (sichere Aufbewahrung, Lagerung, Bearbeitung und Untersuchung).
  5. Überführung des lebenden Spenders an den Ort der Entnahme und von dort zum Ort der Gesundheitspflege, die an die Entnahme anknüpft, und wieder zurück und die Übernahme der Reisekosten.
  6. Überführung eines verstorbenen Spenders an der Ort der Entnahme und wieder zurück.
  7. Transport des entnommenen Gewebes sowie der entnommenen Zellen und Organe.
  8. Untersuchung des verstorbenen Versicherten und dessen Obduktion inklusive Transport.
  9. Aufenthalt der Begleitperson des Versicherten in der Gesundheitseinrichtung mit Bettenpflege.
  10. Gesundheitspflege rund um die Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes, dessen Mutter um die Geheimhaltung ihrer Person im Zusammenhang mit der Geburt angesucht hat. Diese Pflege wird durch die Krankenkasse gedeckt, die auf Grundlage der Identitätsangaben des Versicherten vom zuständigen Gesundheitsanbieter um Kostendeckung ersucht wird.

Die gedeckten Gesundheitsdienstleistungen werden von Gesundheitsmitarbeitern bzw. von anderem fachlich geschulten Personal im Umfang ihrer fachlichen Eignung ausgeführt.

Die gedeckten Gesundheitsdienstleistungen werden in Einrichtungen von Gesundheitsdienstleistern erbracht und auf Grundlage eines Vertrags zwischen dem Gesundheitsdienstleister und der Krankenkasse des Versicherten werden diese von der Krankenkasse beglichen.

Dies betrifft nicht die Apotheken; denn der Versicherte kann jede beliebige Medikamentenausgabestelle ohne Rücksicht auf die Existenz einer vertraglichen Bindung zur zuständigen Krankenkasse nutzen und das Rezept einlösen. Das Rezept muss indes in der Regel von demjenigen Arzt ausgestellt sein, der in einem Vertragsverhältnis mit der zuständigen Krankenkasse des Versicherten steht.

Lediglich in Ausnahmefällen können Gesundheitsdienstleistungen auch in Einrichtungen erbracht werden, die keinen Vertrag mit der Krankenkasse des Versicherten haben.

Der Patient beteiligt sich mit einem bestimmten Betrag an der Begleichung einiger Heilpräparate. Diese sind in verschiedene Gruppen eingeteilt, wobei es in jeder Gruppe mindesten ein Präparat geben muss, dass von der Krankenkasse in voller Höhe erstattet wird.

Während der Hospitalisierung kommt der Versicherte nicht für die Kosten der Heilpräparate und der Gesundheitsmittel auf. Diese werden in voller Höhe von der Krankenkasse erstattet.

Quelle: Gesundheitsministerium der Tschechischen Republik, www.mzr.cz/Cizinci/

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